Unter dem Leitthema „Flexpack 2030“ hat das 23. Inno-Meeting am 24. und 25. Februar 2026 in Osnabrück zentrale Zukunftsfragen der Flexpack-Branche adressiert. Vor dem Hintergrund der europäischen Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR), verschärfter Lebensmittelkontakt-Vorgaben und des schrittweisen PFAS-Ausstiegs stand der strukturelle Transformationsbedarf der Hersteller im Mittelpunkt. Gefordert sind leistungsfähige, rechtskonforme und zugleich kreislauffähige Verpackungslösungen.
Markenstrategie und digitale Produktentwicklung
Impulse kamen zunächst aus strategischer Perspektive: Marke wurde als zentraler Hebel für Differenzierung, Vertrauen und stabile Margen im technologie- und preisgetriebenen Marktumfeld eingeordnet. Nachhaltigkeitskompetenz, klare Positionierung und konsistente Kommunikation gelten demnach als Voraussetzung, um sich im regulatorisch geprägten Wettbewerb zu behaupten.
Wie sich Innovationszyklen verkürzen lassen, zeigte die one.five GmbH anhand datengetriebener Entwicklungsansätze. Mithilfe von Hochdurchsatzdaten, KI-gestützter Materialanalyse und Reverse Engineering können Leistungsparameter gezielt definiert und geeignete Materialkombinationen digital vorab bewertet werden. Das reduziert Trial-and-Error-Schleifen, senkt F&E-Kosten und beschleunigt die Entwicklung marktreifer, nachhaltiger Lösungen.
Barriere, Rezyklat und Monomaterial
Technologische Schwerpunkte lagen auf neuen Barrieresystemen und dem Einsatz von Rezyklaten. Das Institut für Kunststoffverarbeitung (IKV) präsentierte Fortschritte bei plasmabasierten SiOx-Beschichtungen für PP-Folien – sowohl auf Neuware als auch auf Post-Consumer-Rezyklaten. Durch präzise gesteuerte PECVD-Prozesse und Multischichtsysteme lassen sich Sauerstoffbarrieren verbessern und Migration reduzieren, ohne die Recyclingfähigkeit zu beeinträchtigen.
Praxisorientierte Ansätze zur Kombination von Hochbarriere und Rezyklierbarkeit zeigte Constantia Flexibles Germany GmbH. Im Fokus standen Mono-PE-Laminate mit reduzierten EVOH-Anteilen, RecyClass-konforme Designs sowie Optimierungspotenziale im Advanced Mechanical Recycling – etwa durch den Verzicht auf durchgefärbte oder schwer de-inkbare Strukturen. Perspektivisch werden entsprechende Konzepte auch für PP geprüft.
Auch materialseitig verschiebt die PPWR die Anforderungen deutlich in Richtung recyclingfähiger, häufig PE-basierter Monomaterialstrukturen mit definierten PCR-Anteilen. Orientierungstechnologien wie MDO/BOPE, kompatible Barrieren und geeignete Copolymere gelten als zentrale Hebel, um Performance, Maschinengängigkeit und Lebensmittelsicherheit in Einklang zu bringen.
Produktschutz, Nachhaltigkeit und Ökobilanz
Produktspezifische Anforderungen beleuchtete die Hochschule Albstadt-Sigmaringen am Beispiel veganer Fleisch- und Wurstalternativen. Laborergebnisse zeigen, dass auch pflanzliche Produkte sensibel auf Sauerstoff und Licht reagieren, wenn auch weniger oxidationsanfällig als tierische Referenzen. Daraus ergeben sich Optimierungspotenziale bei Gasbarrieren, Schutzbegasung und Lichtschutz.
Grundsätzliche Fragen der Kreislaufwirtschaft adressierte die FKuR Kunststoff GmbH. Rezyklate und biobasierte Kunststoffe seien wichtige Hebel, jedoch keine alleinige Lösung. Nachhaltigkeit umfasse neben CO₂-Aspekten auch Ressourceneffizienz, Design-for-Recycling, verbesserte Sammlung und Sortierung sowie den gezielten Einsatz biologisch abbaubarer Materialien dort, wo sie ökologisch sinnvoll sind.
Eine Ökobilanz zu Palettensicherungssystemen stellte das IFEU – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg vor. Untersucht wurden Einweg- und Mehrweglösungen unter Berücksichtigung von Materialeinsatz, Umlaufzahlen und Transporteffizienz. Ergebnis: Leichte Einweglösungen können ökologisch vorteilhaft sein, während schwere Mehrwegsysteme aufgrund höherer Massen und Rücktransporte zusätzliche Emissionen verursachen. Eine pauschale Substitution sei daher nicht zielführend.
Digitalisierung, Sicherheit und Materialeffizienz
Neben Material- und Recyclingthemen spielte die Digitalisierung eine zentrale Rolle. Vorgestellt wurden Ansätze zur vollständigen Digitalisierung von Verpackungsspezifikationen, um Datenlücken zu identifizieren, Recyclingfähigkeit zu bewerten und regulatorische Anforderungen effizient abzubilden. Der Digitale Produktpass gewinnt dabei als Steuerungsinstrument für Compliance und Transparenz an Bedeutung.
Gleichzeitig wurden Sicherheitsrisiken digitaler Technologien in und auf Verpackungen thematisiert. QR-Codes, NFC-Anwendungen und digitale Wasserzeichen können potenzielle Angriffsflächen darstellen. Praxisnahe Beispiele verdeutlichten den Handlungsbedarf beim Schutz sensibler Daten und Systeme.
Materialeffizienz stand im Fokus weiterer Beiträge: Chemische Treibmittel-Masterbatches ermöglichen das Schäumen dünner Folien und PP-Becher, reduzieren Dichte, Materialeinsatz und Energieverbrauch und verbessern zugleich optische Eigenschaften. Wickelhülsen aus bis zu 100 % Recyclingpapier sowie alternative Faserstoffe aus Silphie oder Stroh demonstrieren zusätzliche Ansätze zur CO₂-Reduktion und Ressourcenschonung.
Regulatorik als Daueraufgabe
Abschließend wurde die zunehmende Komplexität der EU-Regulatorik für Lebensmittelkontaktmaterialien eingeordnet. Neben der PPWR stehen eine Überarbeitung der FCM-Rahmenverordnung, strengere Reinheits- und Dokumentationspflichten sowie mögliche Änderungen in der Stoffbewertung im Raum. Fehlende harmonisierte Prüfmethoden und teils widersprüchliche Vorgaben erhöhen die Unsicherheit für Unternehmen zusätzlich.
Im begleitenden Live-Podcast diskutierten Branchenvertreter zudem Recyclingquoten, CO₂-Bilanzierung (Scope 1–3), papierbasierte Hochbarrierelösungen sowie die Notwendigkeit enger Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette. Mit Blick auf die Umsetzung der PPWR-Vorgaben bis 2030 bleibt der Branche ein enges Zeitfenster für Innovation und Transformation.
Die Abschlussbefragung zeigte eine hohe Bereitschaft zur Veränderung: Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden kündigte an, kurzfristig konkrete Anpassungen in Strategie und Arbeitsweise vorzunehmen. Damit setzte das 23. Inno-Meeting ein deutliches Signal für die weitere Ausrichtung der Flexpack-Branche zwischen regulatorischem Druck und technologischer Weiterentwicklung.

