Die neunte europäische INNO-Pouch-Konferenz, die vom 8. bis 9. Oktober 2026 in Barcelona stattfand, brachte Experten aus der Branche für flexible Verpackungen, der Forschung sowie Markeninhaber zusammen. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Frage, wie digitale Technologien, neue Materialkonzepte und europäische Verpackungsvorschriften den Markt für Standbodenbeutel neu gestalten.
Der europäische Markt für Standbodenbeutel wächst weiter. Nach Angaben von Schönwald Consulting hat sich der Verbrauch in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt. Allerdings stellen zunehmender regulatorischer Druck, sich ändernde Kundenanforderungen und immer anspruchsvollere Produktionsprozesse die Hersteller und Verarbeiter vor neue Herausforderungen.
Die von Julian Thielen im Rahmen der Innoform-Veranstaltungsreihe organisierte und moderierte INNO-Pouch 2026 beleuchtete diese Entwicklungen aus technologischer, wirtschaftlicher und regulatorischer Perspektive. Drei Themen standen im Mittelpunkt der Konferenz: die Digitalisierung entlang der gesamten Verpackungswertschöpfungskette, der Übergang zu recycelbaren Materialien und die Notwendigkeit, die Verpackungsleistung unter sich ändernden regulatorischen Rahmenbedingungen aufrechtzuerhalten.
Digitale Technologien gestalten die Verpackungsproduktion neu
Die Digitalisierung beeinflusst zunehmend sowohl die Beschaffung als auch die Herstellung von Verpackungen. Künstliche Intelligenz wird bereits eingesetzt, um Lieferanten zu identifizieren, Verpackungslösungen zu bewerten und technische sowie regulatorische Anforderungen zu prüfen. Effektive KI-Anwendungen sind jedoch auf strukturierte, zuverlässige und maschinenlesbare Produktinformationen angewiesen.
Für Verpackungshersteller bieten digitale Technologien zudem Chancen, auf kleinere Produktionsserien, eine größere Produktvielfalt und zunehmenden Kostendruck zu reagieren. Vorträge von HP und Die Labelisten unterstrichen die Bedeutung integrierter digitaler Arbeitsabläufe, Automatisierung und flexibler Produktionssysteme. Der Digitaldruck gewinnt insbesondere dort an Bedeutung, wo kürzere Vorlaufzeiten, häufige Designänderungen und kleinere Auftragsmengen erforderlich sind.
Weitere Entwicklungen zeigten, wie die Digitalisierung über den Druck hinausgeht. Intelligente Standbodenbeutel können Authentifizierungsmerkmale und digitale Schnittstellen für die Markeninteraktion und die Rückverfolgbarkeit von Produkten integrieren. Gleichzeitig helfen vernetzte Beutelherstellungsanlagen, automatisierte Prozessüberwachung und KI-gestützte Qualitätskontrolle den Herstellern, ihre Effizienz zu steigern und Abfall zu reduzieren.
Ein weiterer Schwerpunkt waren neue Versiegelungstechnologien. Digital gesteuerte Heizsysteme können für eine gleichmäßigere Temperaturverteilung sorgen und eine Prozessüberwachung in Echtzeit ermöglichen, was besonders bei der Verarbeitung temperaturempfindlicher Monomaterialstrukturen wichtig ist.
PPWR rückt Recyclingfähigkeit und Verpackungsdaten in den Fokus
Die EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) spielte während der gesamten Konferenz eine herausragende Rolle. Ihre Anforderungen beschleunigen die Entwicklung recycelbarer Verpackungsstrukturen und erhöhen gleichzeitig die Bedeutung zuverlässiger Materialdaten und transparenter Dokumentation.
Referenten von epeaswitzerland und Interzero betonten die Rolle digitaler Systeme bei der Verwaltung von Verpackungsinformationen, der Bewertung der Recyclingfähigkeit und der Unterstützung der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. Digitale Produktpässe, standardisierte Datenformate und interoperable Plattformen wurden als potenzielle Instrumente zur Verbesserung der Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette diskutiert.
Eine immer wiederkehrende Botschaft war, dass die Einhaltung von Vorschriften nicht als isolierte Verwaltungsaufgabe betrachtet werden darf. Materialauswahl, Verpackungsdesign, Produktionstechnologie und Datenmanagement müssen bereits in den frühesten Entwicklungsphasen gemeinsam berücksichtigt werden.
Monomaterialien rücken näher an die industrielle Anwendung heran
Materialinnovationen bildeten einen weiteren wichtigen Teil des Programms. Der Übergang von herkömmlichen Mehrstoff-Laminaten hin zu recycelbaren PE- und PP-Strukturen schreitet voran, auch wenn technische Herausforderungen bestehen bleiben.
Vorträge von LyondellBasell, Huhtamaki, Toppan und IRPLAST zeigten Entwicklungen bei hochbarrierefähigen Monomaterial-Verpackungen auf, darunter retortierbare PP-Beutel. Neue Folienstrukturen und Barrieretechnologien ermöglichen es, auf Recyclingfähigkeit ausgerichtete Designs mit hohen Anforderungen an Sauerstoff- und Feuchtigkeitsschutz, Hitzebeständigkeit und mechanische Eigenschaften zu kombinieren.
Auch die Klebetechnologie trägt zu diesem Wandel bei. Morchem stellte Entwicklungen bei lösungsmittelfreien Laminierklebstoffen für recycelbare Mono-PP-Retortenbeutel vor und verdeutlichte, dass Materialinnovationen die gesamte Laminatstruktur umfassen müssen.
Als Alternative wurden auch Standbeutel auf Papierbasis diskutiert, obwohl deren Leistungsfähigkeit nach wie vor stark vom Produkt, dem Verpackungsformat und den Verarbeitungsbedingungen abhängt. Zu den besonderen Herausforderungen zählen der Barriereverlust an Falzstellen und die Aufrechterhaltung der Verpackungsintegrität während der Handhabung.
In den Diskussionen wurde zudem betont, wie wichtig es ist, Verpackungsformate entsprechend ihrer spezifischen Anwendungsbereiche zu bewerten. Standbodenbeutel bieten zwar Vorteile hinsichtlich Materialverbrauch und Gewicht, ihre ökologische und technische Leistungsfähigkeit muss jedoch im Vergleich zu alternativen Verpackungslösungen bewertet werden.
Die Verarbeitungstechnologie bleibt ein entscheidender Faktor
Der Übergang zu recycelbaren Verpackungen ist nicht einfach eine Frage des Austauschs einer Folienstruktur gegen eine andere. Monomaterialien verhalten sich beim Formen, Versiegeln und Befüllen häufig unterschiedlich, was Anpassungen an Maschinen und Prozessparametern erfordert.
Vorträge von Menshen, Hesser Packaging und Herrmann Ultraschalltechnik veranschaulichten die Bedeutung optimierter Siegeltechnologien, des Temperaturmanagements und einer engen Zusammenarbeit zwischen Materiallieferanten und Maschinenherstellern.
Ultraschallversiegelung, kontrollierte Vorwärmung und angepasste Maschinenkonfigurationen gehörten zu den diskutierten Ansätzen zur Aufrechterhaltung der Siegelintegrität und der Produktionszuverlässigkeit. Diese Entwicklungen sind besonders relevant für anspruchsvolle Anwendungen wie Beutel mit Ausgießer und Retortenverpackungen.
Die Konferenz unterstrich, dass eine erfolgreiche industrielle Umsetzung eine koordinierte Entwicklung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg erfordert – von der Polymer- und Folienproduktion über Klebstoffe und Verarbeitungsanlagen bis hin zur abschließenden Verpackungsvalidierung.
Ein stärker integrierter Ansatz bei der Beutelentwicklung
Die INNO-Pouch 2026 zeigte, dass die zukünftige Entwicklung von Standbodenbeuteln von mehr als nur Fortschritten bei einzelnen Materialien oder Maschinen abhängen wird. Digitalisierung, die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und ein recyclingorientiertes Verpackungsdesign sind zunehmend miteinander verflochten.
Obwohl bei der Entwicklung recycelbarer Monomaterialstrukturen erhebliche Fortschritte erzielt wurden, bleibt es eine zentrale Herausforderung, das notwendige Gleichgewicht zwischen Barriereeigenschaften, Verarbeitbarkeit, Produktschutz und Wirtschaftlichkeit zu erreichen.
Für Verpackungshersteller und Verarbeiter besteht die zentrale Aufgabe daher darin, Materialentwicklung, Maschinen, Prozesssteuerung und digitales Datenmanagement in einen kohärenten Ansatz zu integrieren. Die Konferenz zeigte, dass die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette entscheidend sein wird, um die nächste Generation von Standbeuteln in den breiten industriellen Einsatz zu bringen.

