Mit der Übernahme von New Era Converting Machinery Inc. durch IPCO AB ist ein neuer globaler Anbieter für Converting- und Prozessanlagen entstanden. Im Gespräch erläutern Jens Gegner, Global Segment Manager Composites bei IPCO, und Paul Lembo, Managing Director von New Era, wie sich die Zusammenarbeit entwickelt, welche Synergien sich ergeben – und wo die Reise hingeht.
Herr Lembo, Herr Gegner – wie haben sich Ihre Rollen im Zuge der Integration entwickelt?
Jens Gegner: Ich bin seit rund 25 Jahren bei IPCO und habe meine Laufbahn im Engineering begonnen. In den vergangenen Jahren habe ich mich stärker in Richtung Vertrieb entwickelt und verantworte heute als Global Segment Manager für Composites unter anderem komplexe Turnkey-Projekte. Die Erfahrung aus der Konstruktion kompletter Anlagen hilft mir dabei, Kundenlösungen ganzheitlich zu denken.
Paul Lembo: Bei New Era bin ich praktisch „hineingewachsen“. Das Unternehmen war ein Familienbetrieb, und ich habe schon früh in verschiedenen Bereichen gearbeitet – von der Montage bis zur Entwicklung und später im Vertrieb. Heute liegt mein Fokus auf der Weiterentwicklung des Geschäfts innerhalb der neuen Struktur und darauf, die gemeinsamen Marktchancen zu nutzen.
Welche Rolle spielt New Era aktuell innerhalb der IPCO-Gruppe?
P. Lembo: New Era bleibt derzeit als Marke bestehen, was auch bewusst so gewählt wurde. Gleichzeitig arbeiten wir bereits sehr eng integriert. Die Perspektive ist klar: langfristig wird sich alles zu einer gemeinsamen
Organisation entwickeln. Aktuell geht es vor allem darum, die Stärken beider Seiten optimal zu kombinieren.
J. Gegner: Für uns ist entscheidend, dass wir nun ein deutlich breiteres Portfolio anbieten können. Früher lag unser Fokus häufig auf einem Teilprozess, während vor- und nachgelagerte Schritte über Partner abgedeckt wurden. Heute können wir wesentlich häufiger komplette Linien aus einer Hand anbieten.
Wie haben Ihre Kunden auf die Übernahme reagiert?
P. Lembo: Die erste Reaktion war bei vielen durchaus überraschend – insbesondere, weil New Era ein klassisches Familienunternehmen mit langer Historie ist. Insgesamt war das Feedback aber sehr positiv. Unsere Kunden sehen vor allem die Vorteile einer globalen Organisation mit lokaler Präsenz in vielen Märkten sowie einer stärkeren finanziellen Basis.
J. Gegner: Auch aus meiner Sicht ist die Resonanz durchweg positiv. Viele Kunden erkennen sofort, wie gut sich die Technologien ergänzen. Die Möglichkeit, komplette Prozessketten abzubilden, wird als klarer Mehrwert wahrgenommen.
Gibt es bereits konkrete gemeinsame Projekte, die diese Synergien zeigen?
J. Gegner: Ein aktuelles Beispiel ist ein Recyclingprojekt in Spanien. Hier greifen verschiedene Prozessschritte ineinander – vom Abwickeln über die Formgebung und das Pressen bis hin zum Aufwickeln. Genau in solchen Anwendungen zeigt sich, wie gut unsere Technologien zusammenpassen.
P. Lembo: Ergänzend sehen wir auch, dass bestehende Kundenbeziehungen von IPCO neue Chancen für New Era eröffnen. In einem Fall konnten wir kürzlich ein Projekt im Bereich Kalandrieren gewinnen, das zuvor nicht realisiert werden konnte. Die gemeinsame Marktpräsenz spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Ein wichtiges Thema scheint auch der Bereich Composites zu sein. Welche Bedeutung hat dieses Feld für Sie?
J. Gegner: Composites sind ein sehr breites Anwendungsfeld – von Bau über Transport bis hin zu industriellen Anwendungen. Unsere Technologien ermöglichen es, unterschiedlichste Materialien zu kombinieren und zu verarbeiten. Besonders interessant ist dabei der Trend zum Recycling, etwa bei vollständig recycelbaren PET-basierten Lösungen.
P. Lembo: Beide Unternehmen waren bereits in ähnlichen Märkten aktiv, allerdings mit unterschiedlichen Technologien. IPCO bringt beispielsweise Doppelbandpressen ein, während New Era stärker im Bereich Laminieren
und Kalandrieren ist. Zusammen können wir deutlich flexibler auf Kundenanforderungen reagieren.
Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung im Batteriemarkt?
P. Lembo: In den vergangenen Jahren stand der Markt stark im Zeichen von Grundlagenarbeit. Viele Akteure haben sich zunächst orientiert und Technologien bewertet. Aktuell sehen wir eine gewisse Konsolidierung und auch eine temporäre Abschwächung der Dynamik. Langfristig bleibt das Thema jedoch hochrelevant.
J. Gegner: Insbesondere im Automobilbereich ist derzeit eine gewisse Zurückhaltung spürbar. Gleichzeitig entstehen neue Ansätze, etwa im Bereich der Trockentechnologien. Hier arbeiten wir an neuen Maschinenkonzepten und sehen weiterhin interessante Projekte, beispielsweise im Bereich Energiespeicherung.
Welche technologischen Schwerpunkte setzen Sie aktuell?
J. Gegner: Ein Beispiel ist die Weiterentwicklung von Streutechnologien, etwa für spezielle Pulver oder Fasern. Damit lassen sich neue Anwendungen erschließen, insbesondere im Recyclingbereich.
P. Lembo: Unser Fokus liegt darauf, das gesamte Portfolio sichtbar zu machen. Ziel ist es, Kunden klar zu vermitteln, dass wir komplette Prozesslösungen anbieten können – von der Materialzuführung bis zum fertigen Produkt.
Abschließend: Was sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre?
P. Lembo: Ein zentraler Punkt ist die gemeinsame Marktpräsenz. Wir treten bereits auf vielen Messen zusammen auf, um die neue Struktur sichtbar zu machen. Gleichzeitig geht es darum, Kunden weltweit zu erreichen
und die erweiterten Servicekapazitäten zu kommunizieren.
J. Gegner: Ergänzend wollen wir neue Technologien gezielt in den Markt bringen und insbesondere im Bereich nachhaltiger Anwendungen weiter wachsen. Die Kombination aus Erfahrung, globaler Präsenz und erweiterten
Technologien bietet dafür eine sehr gute Grundlage.

