Die Neuenhauser Vorwald Wickeltechnik, eine Division der Neuenhauser Maschinenbau GmbH, ist seit Jahrzehnten für Spannwellen, Spannköpfe und weitere Komponenten rund um Wickelprozesse bekannt. Seit Ende 2025 verstärkt Oliver Funk als Technischer Berater und im Vertrieb das Team. Im Gespräch mit PRO Flexconvert erläutert er die strategische Ausrichtung des Unternehmens, die neue Partnerschaft mit dem italienischen Spezialisten RENOVA und aktuelle Entwicklungen im Converting-Markt.
Herr Funk, Sie sind seit Ende vergangenen Jahres bei Neuenhauser Vorwald. Wie haben Sie das Unternehmen in dieser Phase erlebt – und welche Schwerpunkte setzen Sie in Ihrer Arbeit?
Oliver Funk: Seit Ende 2025 bin ich Teil der Division Neuenhauser Vorwald Wickeltechnik innerhalb der Neuenhauser Maschinenbau GmbH. Vom ersten Tag an habe ich ein Umfeld erlebt, in dem Vertrauen, Teamarbeit und technologische Weiterentwicklung eine zentrale Rolle spielen. Neuenhauser Vorwald versteht sich als Partner für anspruchsvolle Wickelprozesse. Unser Anspruch geht dabei über die Lieferung einzelner Komponenten hinaus. Wir entwickeln Lösungen, die auf die jeweilige Anwendung abgestimmt sind – von Spannwellen und Spannköpfen über Bremsen und Klapplager bis hin zu kompletten Handling-Systemen. In meiner Rolle als Technischer Berater und im Vertrieb bringe ich rund 15 Jahre Erfahrung in der Wickeltechnik ein. Ich begleite Projekte von der ersten Analyse über die technische Auslegung bis zur Umsetzung und arbeite eng mit unseren Kunden zusammen, um wirtschaftliche und prozesssichere Lösungen zu entwickeln.
Bitte geben Sie uns einen Überblick über das Portfolio von Neuenhauser Vorwald. Welche Zielgruppen sprechen Sie an?
O. Funk: Die Division Neuenhauser Vorwald blickt auf eine lange Tradition zurück – die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1920. Heute liegt unser Schwerpunkt klar auf der Wickeltechnik, insbesondere auf Spannwellen und Spannköpfen. Ergänzt wird das Portfolio durch Bremsen, Klapplager, Handling-Geräte sowie kundenspezifische Maschinenbau-Lösungen.
Dank unseres umfangreichen Maschinenparks können wir sowohl Standardprodukte als auch komplexe Sonderlösungen realisieren – etwa für Schwerlastanwendungen oder technisch anspruchsvolle Projekte. Zu unseren Kunden zählen Maschinen- und Anlagenbauer ebenso wie industrielle Anwender aus verschiedenen Branchen.
Geografisch sind wir international aufgestellt. Neben Europa beliefern wir insbesondere Kunden in Asien, Indien und den USA. Ein wichtiger Vorteil ist unsere integrierte Wertschöpfung innerhalb der Unternehmensgruppe: Engineering, Produktion und Montage erfolgen vollständig bei Neuenhauser. Dadurch können wir hohe Qualitätsstandards sicherstellen und gleichzeitig flexibel auf Kundenanforderungen reagieren. Auch Service und Ersatzteilversorgung sind langfristig gewährleistet.
Ein aktuelles Thema ist Ihre neue Partnerschaft mit dem italienischen Unternehmen RENOVA. Was steckt dahinter?
O. Funk: Die Partnerschaft mit RENOVA ist für uns ein bedeutender Meilenstein und ein wichtiger Baustein in der strategischen Weiterentwicklung unseres Portfolios. RENOVA zählt seit den frühen 1980er-Jahren zu den technologisch führenden Spezialisten im Bereich Brems-, Bahnregel- und Wickeltechnik und genießt weltweit einen hervorragenden Ruf für innovative, zuverlässige und praxisorientierte Lösungen. Besonders beeindruckend ist der ganzheitliche Ansatz der Symbiose. Während viele Anbieter lediglich einzelne Komponenten liefern, entwickelt VORWALD in Kombination mit RENOVA komplette, aufeinander abgestimmte Systeme für Brems- und Regelprozesse.
Das Portfolio reicht von pneumatischen und magnetischen Bremsen sowie Kupplungen über hochpräzise Bahnspannungsregelungen und Kraftmesssysteme bis hin zu intelligenten Lösungen für Rollenhandling und Feuchtigkeitskontrolle. Genau diese Philosophie passt hervorragend zu Neuenhauser Vorwald. Unser Anspruch war schon immer, unseren Kunden nicht nur einzelne Produkte, sondern durchdachte Gesamtlösungen für ihre Wickelprozesse anzubieten.
Durch die Zusammenarbeit mit RENOVA erweitern wir dieses Konzept konsequent und schaffen einen echten Mehrwert für Maschinenbauer und Endanwender. Für unsere Kunden bedeutet das künftig deutlich kürzere Projektwege und eine wesentlich einfachere Projektabwicklung. Wickeltechnik, Spannwellen, Spannköpfe, Brems- und Bahnregeltechnik sowie die komplette technische Auslegung können aus einer Hand geplant und aufeinander abgestimmt werden. Wir übernehmen dabei die Projektierung, Systemintegration und technische Beratung und stellen sicher, dass sämtliche Komponenten optimal miteinander harmonieren.
Gerade bei modernen Produktionsanlagen, in denen hohe Bahngeschwindigkeiten, präzise Bahnspannungen und maximale Prozessstabilität entscheidend sind, eröffnet diese Kombination völlig neue Möglichkeiten. Durch die Verbindung der langjährigen Erfahrung von RENOVA in der Regeltechnik mit unserer Kompetenz in der Wickeltechnik entstehen Lösungen, die nicht nur technisch überzeugen, sondern unseren Kunden auch langfristig mehr
Effizienz, höhere Prozesssicherheit und eine nachhaltige Investitionssicherheit bieten.
Wie erleben Sie derzeit den Converting-Markt?
O. Funk: Der Markt präsentiert sich aktuell sehr projektgetrieben und vielseitig. Einerseits steigen die Anforderungen an individuelle Lösungen deutlich. Andererseits bleibt auch das Geschäft mit Standardkomponenten ein wichtiger Bestandteil. Viele Kunden kommen mit sehr spezifischen Fragestellungen auf uns zu – etwa wenn bestehende Anlagenoptimiert werden sollen oder Materialien und Produktionsgeschwindigkeiten besondere Anforderungen stellen. Themen wie stabile Bahnspannung, präzises Regelverhalten oder die Integration neuer Komponenten in bestehende Maschinen stehen dabei häufig im Mittelpunkt. Solche Projekte erfordern eine enge technische Abstimmung mit dem Kunden, um langfristige Prozesssicherheit zu gewährleisten.
Gleichzeitig spielt das Standardgeschäft weiterhin eine Rolle?
O. Funk: Absolut. Neben den komplexen Projekten gibt es weiterhin eine kontinuierliche Nachfrage nach bewährten Standardprodukten – zum Beispiel Spannwellen für Klapplager oder Komponenten für klassische Anwendungen.
Hier stehen vor allem Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis im Vordergrund. Viele Kunden benötigen diese Produkte kurzfristig, um ihre laufende Produktion sicherzustellen oder Ersatzteile schnell zu beschaffen.
Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen?
O. Funk: Die größten Chancen liegen aus unserer Sicht in der Kombination aus Standardlösungen und individueller Projektarbeit. Kunden schätzen Partner, die sowohl unkomplizierte Standardprodukte liefern können als auch die technische Kompetenz besitzen, anspruchsvolle Sonderlösungen zu entwickeln. Der Markt verlangt heute ein hohes Maß an Flexibilität – sowohl im Portfolio als auch in der technischen Auslegung. Wer beide Welten sinnvoll miteinander verbindet, kann langfristige Partnerschaften aufbauen und echten Mehrwert für die Kunden schaffen.
BU: V.l.n.r.: Oliver Funk (Neuenhauser Vorwald), Alessandro Arosio (Renova), Gerd Bouwer (Neuenhauser Vorwald), Andrea Fantasia (Renova) und Artur Breitkreuz (Neuenhauser Vorwald).

