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© Henkel/ATP/Afera

Henkel schließt ATP-Deal ab – Hohe Bedeutung von Spezial-Tapes

Henkel hat die Übernahme der ATP adhesive systems AG abgeschlossen und damit zwei Afera-Mitgliedsunternehmen zusammengeführt. Dies unterstreicht den wachsenden strategischen Wert von hochleistungsfähigen Spezialklebebändern auf Wasserbasis in der europäischen Wertschöpfungskette für Klebebänder.

Henkel hat die Übernahme der in der Schweiz ansässigen ATP adhesive systems AG abgeschlossen. Die im Januar angekündigte und am 1. April 2026 abgeschlossene Transaktion ist ein weiteres Zeichen dafür, wo sich auf dem europäischen Klebebandmarkt strategischer Wert aufbaut.

Anhaltende Attraktivität technisch starker Klebebandunternehmen

Die Nachricht ist nicht nur deshalb bemerkenswert, weil sie zwei Afera-Mitgliedsunternehmen betrifft, sondern auch, weil sie die anhaltende Attraktivität technisch starker Klebebandunternehmen mit etablierten Positionen in Wachstumsanwendungen und mit glaubwürdigen Nachhaltigkeitsprofilen unterstreicht.

ATP hat sein Geschäft auf technische Klebebänder für die Automobil-, Elektronik-, Medizin-, Bau- und Grafikbranche ausgerichtet. Das Unternehmen beschäftigt rund 700 Mitarbeiter, ist in Europa und Nordamerika tätig und wird im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund 270 Millionen Euro erzielen. Mehr als 90 Prozent seines Portfolios basieren auf wasserbasierten Technologien.

Während der Zeit unter der Eigentümerschaft von Arsenal Capital Partners erweiterte ATP die Produktionskapazitäten für Spezialklebebänder an seinem deutschen Standort, übernahm die Neschen Coating GmbH in Deutschland und errichtete eine neue Produktionsstätte in den USA. Diese jüngste Investitionsgeschichte erklärt zum Teil das Interesse von Henkel. ATP bringt nicht nur Produkte, sondern auch Beschichtungskapazitäten, Anwendungs-Know-how und eine breitere Produktionspräsenz mit.

Warum ATP gut zu Henkel passt

Henkel hat erklärt, dass die Übernahme den Geschäftsbereich Adhesive Technologies stärken, die Position bei Klebebändern ausbauen und das Angebot über Flüssigtechnologien hinaus erweitern soll. Zudem bringt sie ergänzende Stärken bei wasserbasierten Klebebändern sowie Kompetenzen bei Schmelzklebstoffen und lösungsmittelbasierten Polymerklebebändern mit.

Die Kompatibilität zeigt sich auch in den Endmärkten von ATP. Der Geschäftsbereich Adhesive Technologies von Henkel verzeichnete zuletzt ein besonders starkes Wachstum in den Bereichen Mobilität und Elektronik, was sich eng mit der Anwendungsbasis von ATP überschneidet. Dadurch ist die Transaktion nicht nur aus Portfoliosicht, sondern auch aus Markt- und Kundensicht relevant.

Für Henkel bedeutet ATP mehr als nur ein höheres Klebebandvolumen. Es bedeutet eine spezialisierte Plattform mit etablierten Positionen in attraktiven technischen Anwendungen, gestützt durch Produktionsanlagen und eine starke technologische Basis im Bereich wasserbasierter Klebebänder. Genau dieses Profil hat auf dem heutigen Markt an strategischem Wert gewonnen.

Was die Transaktion für Klebebandhersteller bedeutet

Für europäische Klebebandhersteller ist die Botschaft recht eindeutig. Strategische Käufer legen Wert auf Klebebandunternehmen, die technische Tiefe, wasserbasierte oder VOC-arme Technologieplattformen und eine breite Produktionsreichweite vereinen. Im Fokus stehen Unternehmen, die differenzierte Leistung in anspruchsvollen Anwendungen bieten, anstatt sich auf ein breites Spektrum an Standard-Klebebändern zu konzentrieren.

Die Transaktion deutet zudem auf eine umfassendere Verschiebung in der Wertschöpfungskette hin. Klebebänder werden zunehmend als Teil einer breiteren Klebe- und Materialplattform betrachtet und nicht mehr nur als eigenständige Produktlinien. Dadurch gewinnen Beschichtungs- und Verarbeitungskapazitäten, Fachwissen über Endanwendungen, Liefersicherheit und die Fähigkeit, Kunden über mehrere Regionen hinweg zu unterstützen, an Bedeutung.

Auch für die Lieferkette ergeben sich Auswirkungen. Da immer mehr Kompetenzen unter einem Dach gebündelt werden, sehen sich Zulieferer möglicherweise mit weniger, dafür aber größeren Einkaufszentren, umfassenderen Qualifikationsanforderungen und höheren Erwartungen hinsichtlich der Konsistenz über mehrere Standorte hinweg konfrontiert. Für Klebebandhersteller erhöht dies den Stellenwert von technischer Spezialisierung, Produktionsresilienz und einer engeren Integration in Kundenprogramme.

Die Zahl der öffentlich bekannten, mit Europa verbundenen Transaktionen ist nicht groß, doch das Muster wird immer deutlicher. Seit 2022 hat ATP selbst zweimal den Besitzer gewechselt, zunächst durch die Übernahme durch Arsenal und nun durch die von Henkel. Dazwischen hat ATP Neschen übernommen; Atlas Tapes hat PPM Industries übernommen, und im angrenzenden Bereich der selbstklebenden Materialien hat Fedrigoni POLI-TAPE übernommen. Dies ist keine wahllose Konsolidierung. Es handelt sich um gezielte Übernahmen rund um Technologie, Kompetenz und Kontrollpunkte in der Wertschöpfungskette.

Deshalb ist die Henkel-ATP-Transaktion über die beiden direkt beteiligten Unternehmen hinaus von Bedeutung. Sie verdeutlicht, welche Art von Klebebandgeschäft derzeit in Europa strategisches Interesse weckt: technisch stark, international skalierbar und gut positioniert in leistungsstärkeren, nachhaltigeren Technologieplattformen.

Afera

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